DSC 2422Bildnachweis: BKK Landesverband MItte

Saarbrücken, 20. Juni 2024. Grundsätzlich: In saarländischen Krankenhäusern werden die Patientinnen und Patienten gut versorgt, gerade auch im Notfall. Dies ist das Ergebnis eines Gutachtens der Institute for Health Care Business (hcb) GmbH, welches heute in Saarbrücken präsentiert wurde. Die hcb analysierte die derzeitige Situation, die Einflussfaktoren auf die künftige Entwicklung und Lösungsmöglichkeiten bzw. Handlungsalternativen zur Sicherung einer zukunftsfähigen Krankenhausstruktur. Die wissenschaftlich fundierten Ergebnisse werden im Austausch mit allen Gesundheitspartnern genutzt, um auch zukünftig eine qualitätsorientierte Krankenhauslandschaft gemeinsam aktiv zu sichern.

Die medizinische Versorgung ist ein zentrales Thema in der saarländischen Bevölkerung. Denn im Krankheitsfall und insbesondere im Notfall ist eine gute Versorgung wichtig. Eine hohe Qualität der Versorgung ist dabei elementar. Die Entscheidung der Saarländerinnen und Saarländer fällt bei planbaren Operationen immer häufiger auf zertifizierte Zentren, eine Berücksichtigung der Behandlungsqualität findet vermehrt statt.

Die gegenwärtigen Bestrebungen der Bundesregierung zur Krankenhausreform zielen grundsätzlich darauf ab, die vorhandenen Krankenhausstrukturen effizienter zu gestalten, um die Versorgung für die Zukunft zu sichern und zugleich die Qualität zu erhöhen. Umfangreiche Änderungen sind in nahezu allen Teilbereichen der medizinischen Versorgung umzusetzen. Jedoch angesichts der sich verschärfenden Rahmenbedingungen im stationären Bereich wie Fachkräftemangel, Demografie, Verschiebung der Stadt-Land-Versorgung, zunehmendes Qualitätsbewusstsein der Menschen und wirtschaftliche Probleme der Krankenhäuser muss die Chance genutzt werden, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die nachhaltig und zukunftsweisend sind. Das Gutachten zeigt dahingehende Optimierungspotenziale auf.

Auf Basis des Gutachtens folgende Schlussfolgerungen:

  1. Versorgung in der Fläche: Die aktuelle Krankenhausstruktur im Saarland ist geprägt durch viele Standorte, die derzeit einen nur geringen Spezialisierungsgrad zulässt, sofern sie keine Fachklinik sind. Die vorhandenen Betten sind nach der Corona-Pandemie wesentlich niedriger ausgelastet. Hinzu kommt, dass es sich bei den im Krankenhaus behandelten Patientinnen und Patienten oft um „leichtere“ Fälle handelt, die mittlerweile gut auch ambulant versorgt werden könnten. Stationäre Versorgungsformen binden in hohem Maße Ressourcen, insbesondere wichtige benötigte Fachkräfte. Dies ist gerade bei stark rückläufiger Auslastung nicht zielführend. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel werden immer mehr ältere Menschen als potenzielle Patientinnen und Patienten durch immer weniger Personal versorgt. Dies erfordert eine bessere Verteilung des Personals. Zudem gibt es Doppelstrukturen, denen mit Maßnahmen zur Schwerpunktbildung und Zentralisierung begegnet werden kann.  
  1. Schwerpunktbildung und Zentralisierung: Durch die Bündelung von medizinischen Leistungsgruppen (Schwerpunktbildung) können sich die Krankenhausstandorte auf ihre Kernkompetenzen spezialisieren. Hierdurch werden die Qualität gesteigert, zielgenauer Fachkräfte gewonnen und Mindestanforderungen an die Leistungsgruppen einfacher erfüllt. Die Zusammenlegung mehrerer Standorte (Zentralisierung) würde dies zusätzlich unterstützen und zudem wirtschaftlichere Standortgrößen ermöglichen. Ein moderner, zentral gelegener Neubau könnte so verortet werden, dass er für die Bevölkerung und das Personal gut erreichbar ist. Auch kann dadurch eine höhere Notfallstufe erreicht werden, was die Qualität der Notfallversorgung in den Regionen verbessern kann.
  1. Sektorenübergreifende Versorgung: Im Saarland nehmen die Menschen häufiger eine Krankenhausbehandlung in Anspruch, gleichzeitig ist der Schweregrad der Erkrankung der Patientinnen und Patienten bundesweit mit am niedrigsten. Die primärärztliche Versorgung kann durch neue Versorgungsformen, wie ambulante oder sektorenübergreifende Zentren, optimiert werden. Eine sektorenübergreifende Versorgung würde ein patientenfreundliches Angebot schaffen und die ländliche Versorgung sichern. Ziel ist, möglichst flexible Versorgungsmodelle in enger Kooperation (Leistungserbringer stationär und ambulant, Pflege, Krankenkassen, örtliche und regionale Politik sowie Kommunen und Länder) zu schaffen. Eine effizientere Steuerung könnte dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten noch besser die für ihr Krankheitsbild am besten geeignete Klinik finden.
  1. Investitionskostenfinanzierung: In den vergangen beiden Jahrzehnten waren die Investitionsfördermittel der Länder rückläufig. Im Saarland lag die Förderquote sogar unter dem niedrigen Bundesdurchschnitt. Laut der Saarländischen Krankenhausgesellschaft liegt der Investitionsstau bei mehreren Hundert Millionen Euro. Der jährliche Investitionsbedarf beträgt rund 80 Millionen Euro - dem lediglich 32,5 Millionen Euro an Investitionsfördermittel gegenüberstehen. Dadurch werden die Krankenhäuser gezwungen, Investitionen teils aus den Betriebsmitteln oder anderen Quellen (Trägervermögen) zu finanzieren. Dies ist ein Grund für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Krankenhäuser. Kommen, wie in den vergangenen Jahren, sinkende Auslastungszahlen hinzu, ohne dass die Strukturen angepasst werden, verstärkt dies die wirtschaftlichen Probleme. Obwohl im Saarland bereits die bundesweit höchsten Preise – aufgrund des zweithöchsten Landesbasisfallwertes nach Rheinland-Pfalz – gezahlt werden, können damit die negativen Vorzeichen in Struktur und Investition nicht ausgeglichen werden. Für kleine unspezialisierte Standorte, die zudem von der Bevölkerung weniger aufgesucht werden, ist dies noch problematischer. Hier könnten zielgerichtete Investitionen die Wirtschaftlichkeit und Patientenversorgung verbessern.

Ein Auszug des hcb-Krankenhausgutachtens für das Saarland ist abrufbar unter: https://www.hcb-institute.de/template/userfiles/files/Folien-Saarland.pdf.

Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen vertreten rund 90 Prozent der Menschen im Saarland, wenn es um deren Betreuung im Krankheits- und Pflegefall sowie um die Gesundheit und deren Förderung geht. Unser zentrales Anliegen ist es, dass die Menschen im Saarland auch zukünftig qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Leistungen unabhängig von Alter, Wohnort und sozialer Herkunft zu bezahlbaren Preisen in Anspruch nehmen können.

Die Institute for Health Care Business GmbH (hcb) wurde im Jahr 2006 als eine Ausgründung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung gegründet. Inzwischen ist sie unabhängig vom RWI. Ziel der hcb ist die Schaffung von Transparenz im deutschen Gesundheitswesen. Dieses Ziel erreicht sie mit der Erstellung von Studien über Teilmärkte des Gesundheitswesens, zum Beispiel durch den Krankenhaus Rating Report oder Pflegeheim Rating Report, und mit der Durchführung von Beratungsprojekten. Geschäftsführer der hcb sind Prof. Dr. Boris Augurzky und Dr. Michaela Lemm.

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