DSC 2422Bildnachweis: BKK Landesverband MItte

Gut betreut bei Übergewicht und Adipositas: Nach BKK steigt nun TK in Vertrag „Gesundheit PLUS“ ein

Mainz, 27. Juli 2021 Gut zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen in Deutschland sind nach Angaben der Deutschen Adipositas Gesellschaft übergewichtig – Tendenz steigend. Um die Erkrankung bereits früh zu erkennen und gegenzusteuern, hat die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) bereits vor zwei Jahren mit dem BKK Landesverband Mitte den Vertrag „Gesundheit PLUS“ geschlossen. Nun ist auch die Techniker Krankenkasse (TK) eingestiegen.

Über- und Fehlernährung sowie Bewegungs- und Schlafmangel können genauso zu Übergewicht beitragen wie psychologische und genetische Faktoren. Genau wie die Ursachen sind auch die möglichen Begleit- und Folgeerkrankungen vielfältig. So besteht beispielsweise ein erhöhtes Risiko auf Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und die koronare Herzerkrankung. Aber auch das Schlaf-Apnoe-Syndrom, Krebserkrankungen oder Unfruchtbarkeit können eine Folge sein. „Damit es gar nicht erst so weit kommt, möchten wir durch unseren Vertrag mit dem BKK Landesverband Mitte und der TK den Patientinnen und Patienten die Möglichkeit bieten, systematisch gegenzusteuern. Das bedeutet, die Begleiterkrankungen von Übergewicht und Adipositas zu erkennen, um diese möglichst zu verhindern oder zumindest zu verbessern“, sagt der Vorsitzende des Vorstands der KV RLP und Allgemeinmediziner Dr. Peter Heinz.  

Professionelle Betreuung in Praxen

In Anspruch nehmen können dieses Angebot Versicherte der TK und der teilnehmenden Betriebskrankenkassen, sofern ihre Haus- oder Fachärztin beziehungsweise -arzt sich in das Programm eingeschrieben hat. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Entweder liegen eine gesicherte Adipositas-Diagnose oder ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen ab einem Body-Mass-Index größer oder gleich 25 vor. Dieses erhöhte Risiko besteht bei Patientinnen und Patienten mit einem auffälligen Fettverteilungsmuster, also einem Taillenumfang ab 88 Zentimeter bei Frauen und ab 102 Zentimeter bei Männern. Für Kinder und Jugendliche gelten besondere Voraussetzungen.
Nach dem Erstgespräch in der am Vertrag teilnehmenden Praxis unterschreibt die Patientin oder der Patient eine „Teilnahmeerklärung zur Besonderen Versorgung“. Alternativ besteht für Versicherte der TK die Möglichkeit, sich in der Praxis über ein Smartphone oder Tablet durch Scannen eines QR-Codes auf der Teilnahmeerklärung elektronisch in den Vertrag einschreiben.

Die Ärztin oder der Arzt erhebt und dokumentiert den aktuellen Gesundheitsstatus mit Fokus auf Adipositas bzw. Übergewicht und untersucht darauf basierend die Risiken auf oder bereits bestehende Begleit- und Folgeerkrankungen. Daraus resultiert eine kontinuierliche Weiterbetreuung in der Praxis. Die Planung der Therapie erfolgt auf Grundlage des zusätzlichen individuellen Gesprächs. Die Patientinnen und Patienten erhalten zudem auf sie zugeschnittene Präventionsangebote.

Lebensqualität und Gesundheitskompetenz steigern

„Ziel der Initiative ist es, unsere Versicherten dafür zu sensibilisieren, Übergewicht rechtzeitig zu erkennen, sich über entsprechende Risiken bewusst zu werden und aktiv ärztliche Hilfe zu suchen, bevor Krankheiten entstehen. Die Entscheidung, sich an einem entsprechenden Programm zu beteiligen, ist eine Entscheidung für die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe zur Änderung der eigenen Lebensweise“, sagt Jörn Simon, Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz. So steige die Wahrscheinlichkeit, präventive Maßnahmen anzunehmen und langfristig gesünder zu leben.

Bereits 2019 hatte der BKK Landesverband Mitte stellvertretend für die teilnehmenden Betriebskrankenkassen den Vertrag „Gesundheit PLUS“ mit der KV RLP geschlossen. „Das Thema Übergewicht und Adipositas wird in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Mit dem Programm setzen wir dann an, wenn es nicht schon zu spät ist. Prävention und Früherkennung sind wesentliche Pfeiler. Unsere Versicherten steigern durch die Teilnahme ihre Lebensqualität und ihre Gesundheitskompetenz“, betont Frank Möller, Vorsitzender des regionalen Vertragsarbeitskreises der vertragsschließenden Betriebskrankenkassen.

Auch für Praxen lohnt es sich teilzunehmen. Die Teilnahmevoraussetzungen sind niederschwellig und die extrabudgetären Vergütungen erfolgen auch für einzelne Module. „Daher hoffen wir, dass viele Mitglieder mitmachen. Wir freuen uns, nach den Betriebskrankenkassen nun auch die TK im Boot zu haben, damit noch mehr Patientinnen und Patienten von dem Angebot profitieren“, resümiert Dr. Heinz.